Namibia – Der Preis ist insgesamt zu hoch!

Gibt es ein Land auf der Welt dass es sich nicht zu sehen lohnt? Aus unserer Sicht eigentlich nicht. Heute wissen wir, es gibt aber Länder da ist der Preis dafür, es zu sehen, oder wieder mal jedes ‘must see’ zu sehen, schlicht zu hoch, Beispiel Namibia:

Das Land besteht ganz überwiegend aus verschiedenen uralten Wüsten und kargen, harschen Landschaften, bezaubernde, wunderschöne, vielfältigste, teils einzigartige Ökosysteme zwar, die, Achtung, nur in Symbiose mit den dort herrschenden Bedingungen überhaupt vom Menschen sinnreich bewohnt werden können, so wie seinerzeit jahrtausende und aber jahrtausendelang durch die Ureinwohner, noch viele hunderte Millionen Jahre früher entstanden aus den Groß- und Superkontinenten Gondwana und Pangäa.

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Während das Dachzelt wider Erwarten gemütlich und gut belüftbar war, haperte es am Vertrauen ins Fahrzeug, das allein bei Abholung schon nochmals eine Spur- und Lenkradkorrektur brauchte, massive Verzögerung mit Zeitdruck zum rechtzeitigen Erreichen des ersten Ziels war die Folge, trotz Übernahme am frühen Morgen…

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Das Bild links unten zeigt die von den Schwingungen der Federungen unzähliger durch kleinere und größere Schlaglöcher fahrenden Autos zerrütteten Pisten auf die wir mindestens zu 50% gestoßen sind, die Rüttelei ist unvorstellbar, fotografieren kaum möglich, daher zeigen die übrigen Fotos von ‘angenehmeren’ Schotterstrassen.

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Unser gemütliches und ‘sicheres’ Heim auf dem Dach!

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Camping war nicht das Problem…

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Ohne Worte… ;-))

Der Preis ist also zu hoch,

den die Ureinwohner-Völker, meist Nomaden, gezahlt haben, und noch immer zahlen, als die Europäer, in Namibia die Deutschen, ihnen das Recht am Land betrügerisch abgeluchst, ihre Lebensräume und -grundlage beschränkt oder vernichtet haben, Nomaden-Dasein ist heute nicht mehr möglich wegen der Eigentumsrechte und des Jagdverbots auch für den Eigenbedarf, die Deutschen haben bei der Niederschlagung von Aufständen einer bestimmten lokalen Volksgruppe 50% derselben vernichtet, übrigens war Apartheid hier ebenfalls am Start, als Namibia noch Teil Südafrikas war. Hier gibt es heute 2,1 Mio Einwohner auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland, davon ca. 7% Weiße, davon rund ein Fünftel deutsch oder deutschstämmig, dennoch ist das Land trotz sehr gemäßigter Umverteilungsbestrebungen nach wie vor überwiegend im Eigentum der Weißen…

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Der Campingplatz in der Kalahari hatte  individuelle Sanitäranlagen je Stellplatz = zu hoher Preis für die Natur…

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Die Demonstration der Bushmänner des Volkes der San wie sie lebten bevor ihnen ihr Lebensraum genommen wurde hat uns sehr beeindruckt. Sie lieben diese Demonstrationen und schätzen die Bereitschaft der weißen Eigner der Game Ranch sie auf seinem Land zu beherbergen und seinen Gästen diese Demonstrationen anzubieten.

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Straussenfalle wird aufgestellt…

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Wir haben uns geehrt gefühlt dass sie uns einen kleinen Einblick gewährt haben… Wir mochten die Kalahari sehr!

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Shuttle vom Stellplatz zum Haupthaus der Bagatelle Kalahari Game Ranch, bequem und umweltverträglich!

Der Preis ist zu hoch, 

den die lokale Natur inklusive Fauna gezahlt hat und noch immer zahlt, für die Kapriolen der Weißen, ob nur beispielhaft durch das Streben nach Bodenschätzen, die Ausrottung der lokalen Tierwelt, unverantwortlichen Wasserverbrauch für die verschiedensten Ziele ink. Tourismus allüberall, und durch parasitäre, als Gegenteil zu symbiotischer Lebensweise. Da nützt auch die Entdeckung eines riesigen Süßwasser-Reservoirs in 2012 nichts, das angeblich “die Hälfte des Landes, das nun sein vier Jahren unter einer Dürreperiode leidet, theoretisch für 400 Jahre mit Wasser versorgen könnte”, ähnlich wie das übrige Grundwasser, das hier allüberall angezapft wird, ohne Rücksicht darauf dass diese Reservoirs sicherlich ebenfalls der Balance des Ökosystems dienen, solange es sie noch gibt, siehe Dürre…

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Fish River Canyon, zwar wunderschön und NATÜRLICH ein Superlativ: Zweitgrößter Canyon nach dem Grand Canyon in den USA nach irgend einer bestimmten Betrachtungsmethode… Aber eben extrem weite Wege dorthin und Unterkunft auf Kosten der Natur…

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Frühstück am Canyon nachdem wir nun schon mal da waren war eine gute Idee, was für eine Aussicht…

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Der Preis war zu hoch, 

den selbst die deutschen oder europäischen Einwanderer hier gezahlt haben für ein Leben total wider die lokale Natur, wie lange nicht zuletzt die vom Sand zurückeroberte Geisterstadt Kolmannskuppe nahe der ersten gegründeten Stadt Lüderitz an der Küste zeigt, oder aber das für uns seelenlos erscheinende Swakopmund, in dem sich angeblich viele deutsche Rentner zur Ruhe setzen, obwohl das Klima an der Küste eher diesig, feucht und kühl ist, beide von totaler Wüste umgeben. Im weit überwiegenden Wüstenklima in europäischem Stil zu siedeln ist in etwa so clever wie die Idee des aus der absoluten Wüste gestampften und in der absoluten Wüste zu unfassbaren Preisen aller Art betriebenen Dubais, dessen Untergang wir oder spätestens die nächste Generation u.E. auch noch erleben werden…

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Lüderitz, nach dem Kaufmann benannt der sich noch vor dem Kaiser und Bismarck für Namibia interessierte, krankt vor sich hin mit extrem hoher Arbeitslosigkeit und sieht abstrus aus, mit den deutsch anmutenden Häusern in den Wüsten-Straßen, die Eisenbahn wird seit Jahren repariert und ist daher nicht funktionsfähig…

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Wesentlich unwichtiger, jedoch ebenfalls zu berücksichtigen:

Der Preis ist zu hoch,

den der gemeine Tourist zahlt wenn er von ‘must see’ zu ‘must see’ hunderte und aber hunderte von Kilometern auf von Planierraupen zerrütteten Schotterpisten aller ‘Qualitäten’ zurücklegt in einer Materialschlacht und Ressourcenverschwendung für Mensch und Fahrzeug die ihresgleichen sucht, sowohl auf der Fahrt als auch durch Unterkunft an Orten wo nie ‘zivilisierte’ Unterkunft vorgesehen war, mit allen Konsequenzen die das für das jeweilige Ökosystem hat, mit dem Effekt dass der Preis wiederum zu hoch ist, den die Natur auch heute noch zahlt

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Die wunderschönen Dünen im Namib-Naukluft-Park bei Sossusvlei sind nach massiver Schotterpistenfahrt vom Sesriem Campingplatz im Park aus auf einer 65 km langen geteerten Straße zu erreichen… Unten: Einer der bizarren Köcherbäume die man in diesem Land findet, und ein Carsten der froh ist ein weiteres Ziel ohne Panne und geplatzten Reifen erreicht zu haben, anders als viele andere Selbstfahrer…

 

 

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Die pittoreske ‘Düne 45’, ein weiteres ‘must see’, auf km 45 der Teerstraße zur Sossusvlei-Düne, letztere nur per Allrad-Antrieb durch Wüstensand zu erreichen, haben wir dann mal gelassen…

 

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Nach einer weiteren superstressigen Fahrt von Sossusvlei nach Swakopmund haben wir kurzerhand entschieden die Route zu ändern und nicht 500 km Schotterpiste mit abschliessendem Anstieg auf’s Plateau ins Damaraland zu fahren, statt dessen sind wir auf Teerstraßen zu Weaver’s Rock nahe des Waterberg Parks gefahren, Gott sei Dank hatte man Platz für uns, was für eine Oase, buchstäblich, aber auch lebendiges Erbe der deutschen Kolonialzeit…

Wenn man dann noch bedenkt dass vom nicht gerade günstigen Preis für eine derartige Reise wenig bei der schwarzen oder farbigen Bevölkerungsmehrheit ankommt, weiß man, warum die eingeborene Bevölkerung auch heute noch zahlt.

Natürlich ist klar dass die weißen Grundbesitzer und Tourismusbetreiber viele Arbeitsplätze nach klassischem ‚westlichen‘ Muster schaffen, dass die Geschichte nicht ungeschehen gemacht werden kann, dass es vor dem Eintreffen der Europäer, die mit den Ureinwohnern um Lebensraum gerungen haben, jene Völker untereinander sich ebenfalls bereits um diesen Lebensraum gestritten haben, dass das Vorgehen der Regierung bezüglich der Eigentumsumverteilung bei Verkauf von Farmen/Land aus weißer Hand durch Kaufvorrechte, Ausbildungs- und Finanzierungshilfen an lokale, farbige Bevölkerung besonders im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern ein sehr sanftes ist, und natürlich haben auch wir keinen patenten Lösungsvorschlag außer als einen Baustein den Tourismus rigoros viel ökologisch verträglicher und damit entweder viel teurer und/oder viel schlichter zu gestalten (ausschließlich Gruppenreisen, symbiotische Unterkünfte, etc.).

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Die Tierwelt, bzw. das was davon übrig ist, ist ohne Zweifel fantastisch. Ob aber Poolwasser schlürfende Oryxe der wahre Jakob sind sei dahingestellt…

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Ehrfurcht pur, da kommt er, der erste Teil einer sehr großen Herde Elefanten, an das Wasserloch im Rast Camp Okaukueju im Etosha Nationalpark, völlig lautlos, elegante Bewegungsabläufe, der Chef/die Chefin (bei afrikanischen Elefanten haben beide Geschlechter Stoßzähne) immer die Gruppe absichernd…

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Friedlich vereint… ;-))

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Tief beeindruckte, aber sehr gestresste Lifevoyagers, Claudia’s abhauendes rechtes Auge spricht Bände, richtig glücklich, wie sonst auf Selfies, sieht anders aus…

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Und da ziehen sie wieder von dannen, in aller Gelassenheit…

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Man hat den Eindruck die Giraffen ‘vom Dienst’ posen für die Touris, so war’s aber nicht, wir waren einfach gesegnet  mit dieser malerischen Begegnung! Giraffen sind uns immer wieder begegnet, auf unserer Selbstfahrer-Tour durch den Etosha, natürlich wiederum begrenzt durch’s Fahrzeug…

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Moment mal… das ist doch nicht etwa… kann das wahr sein? Kurz nachdem Carsten bemerkte heute abend am Wasserloch hoffe er ja auf ein Nashorn, begegnete uns mitten im Nichts dieser Vertreter, einer der letzten seiner Art, nun nur nicht verärgern… Was für ein Segen, wiederum…

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Wenige Kilometer weiter fanden wir uns mitten in einer Gnu-Herde, ebenfalls eine Antilopen-Art!

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Und kurz vor dem Camp, bei unserer Abendfahrt, sind ist sie uns dann nochmals begegnet, die Elefantenherde, hier sind mindestens drei zu sehen, zwei links vom Gebüsch, einer rechts vom äußersten Sonnenstrahl, im Gebüsch

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Dennoch wurde Carsten’s Wunsch nach einem Rhino am Wasserloch auch noch erfüllt, hier zur rechten, mit drei Giraffen zur linken

Hätten wir das alles vorher wissen können, und ist uns vorzuwerfen dass wir uns nicht gründlich genug vorbereitet haben? Ja, durchaus, und wir hoffen dies ist uns eine Lehre die wir nie vergessen! Immerhin hat uns der in jeder Hinsicht BEI WEITEM teuerste Abschnitt unserer Reise BEI WEITEM am wenigsten Freude gemacht, weil die Betroffenheit hinsichtlich Gesamtpreis (s.o.) und Grad der Verschwendung meist überwog… Das Dachzelt hingegen war sehr gemütlich und geräumig, daran hat’s wider Erwarten nicht gelegen.

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Afrikanische Sonnenuntergänge… und das ist wieder nur eine Auswahl… da kann man dann ans Träumen kommen…

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Unser Rat: Die ‘Must Sees’ von Namibia sind entweder nur ausgewählt, in wiederum ausgewählten, Öko- und Sozialsystem-verträglichen Projekten mit einer Gruppe zu besuchen, nicht aber in einer unbedingt alles abdeckenden Individual-Rundreise, oder aber im Bildband zu genießen mit der Freude über das Wissen darüber dass hier ein URALTES Stück Natur erhalten bleiben kann, wenn man sich dagegen entscheidet es zu stören. 

Wir sind natürlich dennoch sehr dankbar dass wir das alles sehen durften, dennoch war der Preis wie gesagt viel zu hoch. Nun erholen wir uns von der gewissermassen etwas unglücklichen Namibia Tour noch für neun Tage in Johannesburg, von wo aus unser Meilenflug über Zürich nach Barcelona am 25.10. abgeht, und wir seit ziemlich genau 13 Monaten wieder mal in Europa sind!

Herzliche Grüße und danke für Euer Auge und Ohr! Bis bald aus Spanien,

Claudia & Carsten, Lifevoyagers

 

4 thoughts on “Namibia – Der Preis ist insgesamt zu hoch!

  1. Liebe Claudia, lieber Carsten,
    ich habe immer mit großer Freude Eure Reiseberichte verfolgt, leider fallen diese jetzt weg……..aber dafür kommt Ihr wieder zurück :-). Habt eine gute und sichere Heimreise und dann bis bald.
    Liebe Grüße
    Beate

    1. Liebe Beate,

      danke vielmals, aber noch haben wir 10 schöne Wochen übrig von unseren zwei Jahren, davon vier in Barcelona, drei in Portugal, fünf Tage in London, und den Rest mit unseren Familien in Köln, da geht noch was! Blogposts gibt’s auch aus Europa, da sind wir keine Snobs ;-)). Also noch ein bißchen zum drauf freuen! Wir hoffen trotz des weniger exotischen Europas noch nette Blickwinkel und Tipps bieten zu können!
      Bis bald in Köln, alles Liebe inzwischen!
      Claudia & Carsten

  2. Liebe Claudia und lieber Carsten!
    Dann seid ihr ja bald wieder zuhause!

    Ich habe eure Post regelmäßig und mit großem Interesse gelesen. Es war so anschaulich und lebensnah beschrieben, dass man ein kleines bisschen das Gefühl hatte beim Lesen, selbst dabei zu sein.
    Vielen Dank dafür mein Lieben!!! Und kommt gut heim.
    Eure Ute B.

    1. Liebe Ute,
      vielen Dank, und gern geschehen! Hoffentlich bis bald mal in Hamburg oder Köln! ;-))
      Herzliche Grüße von Carsten und mir!
      Claudia

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