Südafrika – Ein Garten Eden? Teil 1 …

Rückblick: Erstes Frühstück nach Ankunft, also noch eine Woche vor der Farm, im Leopard Rock Café mit Blick auf die Goribi Gorge, was will man mehr? Alle folgenden Fotos bis auf weiteres ebenfalls noch vor dem Workaway-Job:

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Eins ist klar: Südafrika spielt landschaftlich weltweit ganz weit oben mit, muß sich aus unserer Sicht z.B. nicht hinter Neuseeland verstecken, wir haben hier mancherorts Natur gesehen die ihresgleichen sucht, und die Vielfalt tut ein Übriges, die Fotos zeigen das hoffentlich. Der Zugang zu diesen Schönheiten ist für Menschen mit fahrbarem Untersatz, die etwas Geld übrig haben, leicht (trifft auf den Großteil der Bevölkerung nicht zu…): Organisiert entweder in Nationalparks mit etwas teurerem Eintritt, oder aber in Naturreservaten, die etwas billiger sind, wird der Besucher mit guter Infrastruktur und Information ausgestattet, und kann von kurzen Spaziergängen bis hin zu mehrtägigen Wanderungen alles genießen. Wir haben davon regen Gebrauch gemacht und werden des “Natur Glotzens” einfach nicht müde.

Addo National Elephant Park, Elefanten und mehr, in traumhaften Landschaften, alles an einem einzigen Nachmittag, auch Warzenschweine gab’s, die wollten aber nicht vor die Linse 😀:

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Bei Anreise war uns natürlich klar dass Gewalt und Kriminalität in Südafrika noch immer eine große Rolle spielen, mancherorts mehr, mancherorts weniger, und es gab auch, abgesehen von den Warnungen des deutschen auswärtigen Amts, entsprechende Hinweise von mindestens einem unserer Vermieter auf unserer Reise von Durban nach Kapstadt mit dem Mietwagen. Ähnlich wie in Kolumbien haben wir versucht uns möglichst mit gesundem Menschenverstand vor potentiell gefährlichen Situationen zu schützen, wie z.B. bei beladenem Auto dieses nie allein zurückzulassen, nichts sichtbar im Auto-Inneren liegen zu lassen, uns nicht nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen aufzuhalten, Wertsachen tragen wir ohnehin nicht am Mann bzw. offen herum, aber das sind ja nur die Mindestmaßnahmen mit zweifelhafter Effektivität wenn’s wirklich um die Wurst gehen sollte.

Robberg Nature Reserve in Plettenberg Bay, vielleicht unser schönster Spaziergang ever, ever, ever… Nicht die Robben auf dem zweiten und die Dassies auf dem letzten Foto verpassen!:

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Auf der einen Seite hatten wir hier bisher persönlichen Kontakt nur zu netten und freundlichen Menschen jeder Hautfarbe, aber insgesamt spürt man im Alltag, nicht zuletzt wegen des krassesten Aufeinandertreffens von schrecklich Arm und schrecklich Reich bisher, dass die ehemaligen Gegner in der Apartheids-Zeit noch so viel Historie und gleichzeitig gegenwärtige Probleme aufzuarbeiten haben, es noch so viel Zeit und, falls überhaupt möglich, Vergebung braucht, dass doch häufig eine Spannung in der Luft liegt, und wir uns als Weiße quasi automatisch schuldig fühlen. Auch konnten wir bei unserer Fahrt von Durban nach Kapstadt in rein schwarzen Städten die Erfahrung machen wie es sich anfühlt eine Minderheit zu sein, einfach nur durch unsere Gegenwart.

Cape Agulhas, hier treffen nach Festlegung durch den Menschen der indische und der atlantische Ozean aufeinander, nicht etwa am Kap!:

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Was uns bei Anreise noch nicht so klar war, sind folgende Informationen, insbesondere in Kombination, die natürlich die Lage nur im Entferntesten anreissen…:

  • Die weiße Bevölkerung in diesem Land macht gerade mal knapp 15% aus, Tendenz seit Ende der Apartheid vor 22 Jahren eher fallend, doch auch seinerzeit waren es nicht mehr als 20%, eine kleine Minderheit unterdrückte die große Mehrheit, ein sich wiederholendes Muster der Kolonialisierung… Die Homelands sind von der Apartheid-Regierung damals geschaffen worden um Ghettos aus Südafrika ‚auszugründen‘ um den Anteil der Weißen in Südafrika prozentual zu erhöhen…
  • Die Kernstadt Kapstadt hat weniger als 500.000 Einwohner, lediglich die riesige, mehr als 2.400 km² große Metropolregion Kapstadt hat rd. 3,7 Mio Einwohner, die aber immer als Einwohnerzahl für Kapstadt angegeben werden, aus unserer Sicht mehr Schein als Sein…

Nach vier Wochen weit außerhalb unserer Komfortzone haben wir für weitere vier Wochen ein Airbnb-Schnäppchen bei der netten Dusty (merke: 28 Nächte am Stück gebucht sind ERHEBLICH preiswerter als 28 mal der Preis für eine einzelne Nacht, probiert es spaßeshalber mal aus, und: wir sind in der Nebensaison hier, im letzten Wintermonat am Kap!) an dieser Bucht, Llandudno, unterhalb eines der Zwölf Apostel des Tafelbergmassivs südlich von Kapstadt geschossen, und genießen gründlich, seht selbst…:

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  • Apartheid begann 1948, als die Rassentrennung in einem ‚cleveren‘ Schachzug mit allen Konsequenzen von den Weißen zu herrschendem Recht und Gesetz gemacht wurde. Zeitweise gab es vorher Einschränkungen im Wahlrecht ausschließlich für Frauen, nicht aber für Schwarze, natürlich nach Abschaffung der Sklaverei. In der Zeit der Apartheid wurden auch die Ghettos der Townships (überwiegend Blech- und Holzhütten) geschaffen, die z.T. riesigen Townships gibt es aus im Folgenden genannten Gründen bis heute, und sie wachsen leider noch an, allein das größte der Townships von Kapstadt, Khayelitsha, hat mehr Einwohner als die Kernstadt Kapstadt, geschweige denn alle Townships von Kapstadt zusammen:
  • Mega-schnelle und -starke und weiter ansteigende Urbanisierung/Landflucht nach dem Ende der Apartheid, mit allen häßlichen Folgen, und der größten Spanne zwischen Arm und Reich weltweit (siehe Gini-Koeffizient), auf das reichste Zehntel der Südafrikaner entfallen 57%, auf das ärmste Zehntel 1% des Nationaleinkommens.

Alles noch Llandudno, fällt schwer diese Bucht überhaupt zu verlassen, der Atlantik ist allerdings eisig… Bei dem Surfer handelt es sich um Carsten mit Perücke… keine Panik, nur ein Witz 😉:

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  • Südafrika nimmt viele afrikanische Flüchtlinge auf und hat steigende Asylanträge zu verzeichnen, dies steigert Abneigung gegenüber Fremden besonders unter der ärmsten Bevölkerung, die sich oft just in den Townships begegnen, also herrscht, nicht zuletzt deshalb, auch innerhalb der schwarzen Bevölkerung Spannung, vorsichtig ausgedrückt (der Begriff ‚farbig‘ ist hier absichtlich nicht verwendet weil er in der Apartheid eine andere Bedeutung hatte als die sonst weltweit übliche Verwendung, darüber hinaus ist es praktisch unmöglich sich schriftlich politisch korrekt auszudrücken, die Lage ist einfach zu verfahren inzwischen…

Llandudno die Dritte…

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  • Bis heute ist es nicht gelungen die Townships alle wenigstens mit Wasser-Ver- und – genauso wichtig –Entsorgung (Hygiene), Müllentsorgung, Strom, bezahlbarem öffentlichem Nahverkehr (eine Grundvoraussetzung dafür einen potentiellen Arbeitsplatz erreichen zu können), u.ä. zu versehen, denn eine Umsiedelung ist wegen der Zahl der Betroffenen weder möglich noch bei bestehenden sozialen Strukturen, oft der einzige Lichtblick im Township und eine wichtige Ressource, sinnvoll. Höhere Schulbildung, geschweige denn ein Studium, und verlässliche, qualitativ gute medizinische Versorgung kosten nach wie vor Geld das ein sehr großer Anteil der Bevölkerung nicht hat.

…und Llandudno die Letzte, jetzt ist’s aber gut… 😊

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  • Auch unter den Weißen gibt es mindestens historisch Spannungen zwischen den niederländisch-stämmigen, Afrikaans sprechenden Buren (auch: Afrikaaner) und den Empire-stämmigen, Englisch sprechenden Nachfahren der englischen Besetzer und späteren Angreifer im Burenkrieg, letztere haben Ende des 19. Jahrhunderts hier das Konzentrationslager für burische Familien erfunden um die Buren in die Knie zu zwingen.

Ach nee, noch die Sonnenuntergänge in der Bucht und die zufriedenen Lifevoyagers:

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  • Afrikaans, die Sprache der Buren und Landessprache während der Apartheid, ist für viele Schwarze Sinnbild für die Apartheid, nicht aber für die Kap-Malayen, das sind die Nachfahren der Sklaven die die Niederländer im 17. Jahrhundert aus Mozambique, Madagaskar, Malaysia und Indonesien raubten und auf dem Kap ansiedelten, weil sie mit den eingeborenen, überwiegend nomadischen Jäger-/Sammler- und Weide-Völkern nichts anfangen konnten, natürlich wurden diese durch die Weißen von ihren angestammten Gebieten vertrieben. Die Kap-Malayen, oft moslemisch, haben sich, nicht zuletzt zusammen mit der Sprache Afrikaans und dem Ende der Sklaverei 1833, eine ganz eigene Identität geschaffen und bis heute bewahrt, sind daher stolz auch auf ihre Sprache Afrikaans, obwohl farbig. Das Land hat heute nicht weniger als elf (11) offizielle Landessprachen.

Kapstadt-Zentrum, mit dem bunten Kap-Malaien-Viertel Bo-Kap und dem Blick vom Signal Hill auf den Tafelberg:

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Interessierten sei dieser Bericht für die Konrad-Adenauer-Stiftung empfohlen, der in vielen oben genannten Punkten auch unsere Quelle ist, plus zusätzliche Recherche, der sich allerdings bei der Frage der ‘meisten Asylanträge weltweit’ irrt, hier handelt es sich um die meisten in Prüfung befindlichen Asylanträge, über die Jahre akkumuliert, hier wurde eine Zahl der UNHCR falsch interpretiert

Das alles spürt man im Osten des Landes zunehmend, im Westen abnehmend, auf dem Lande mehr, in größeren Städten, etwas weniger, aber gegenwärtig ist es aus unserer Sicht immer, weshalb wir hier auch nicht wirklich leben wollten. Wichtig ist zu bemerken dass wir wegen des günstigen Mietwagens (Preisen und Umrechnungskurs zu verdanken) und daher der längeren Anmietung viel mehr vom Landesinneren gesehen haben als in den Ländern Südamerikas, sicher herrschen dort ähnliche Verhältnisse zwischen Arm und Reich, wie zuletzt eindrücklich in Rio de Janeiro in 2014 erlebt, allerdings liegt die Zeit der offensichtlichen Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung viel länger zurück und sind die Bevölkerungsgruppen nicht so sichtbar in Schwarz und Weiß wie hier, was es natürlich nicht besser macht. Dies zeigt dass man sich seine eigene Wahrnehmungsrealität durchaus selektieren und Unangenehmes ausgeblendet sein lassen kann… In unserem Fall war das nicht Absicht sondern Effekt des begrenzten Budgets (bleiben ist preiswerter als sich bewegen) und Carstens Reisekrankheit in allen Fahrzeugen die er nicht selbst fährt, also keine Busfahrten kreuz und quer durchs Land in Südamerkika.

Aber wegen der faszinierenden Natur und der generellen Gastfreundschaft denken wir heute schon darüber nach hierher einmal zurückzukehren! Das wird der zweite Teil unseres Südafrika-Blogeintrags noch unterstreichen, coming soon!

Liebe Grüße, C&C, Lifevoyagers

5 thoughts on “Südafrika – Ein Garten Eden? Teil 1 …

  1. Hallo ihr beiden, danke für die tollen Bilder für uns Daheimgebliebenen. Toller Reisebericht eurer Eindrücke von Land und Leuten. Ich freue mich immer darauf von euch zu hören. Lasst es euch weiterhin gutgehen und bleibt gesund. Alles Liebe für euch.

    1. Sehr gerne, wir freuen uns genauso sehr über’s Interesse und jedwede Rückmeldung! Danke für die lieben Wünsche und ebenfalls alles Gute inzwischen! Liebe Grüße, C&C

  2. Liebe Claudia, magst Du mir die Adresse geben, bei der Ihr in Kapstadt gewohnt habt? Meine Freundin und ich suchen noch eine Unterkunft vom 30.12.16 – 07.01.17 in Kapstadt… LG, Elisabeth

    1. Liebe Elisabeth,
      die Unterkunft ist im Blogbeitrag verlinkt und liegt südlich von Kapstadt Zentrum, wir waren in der preiswertesten Saison dort und haben zusätzlich vom Monatsrabatt profitiert, wundere Dich also nicht über den Preis. Für eine erstmalige Buchung bevorzugt die Gastgeberin den Kontakt über Airbnb: Hier ist nochmals der Link: https://de.airbnb.com/rooms/4725170. Enjoy!
      Liebe Grüße,
      Claudia

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