Südafrika – Workaway-Job auf Sans Souci Farm!

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So schönes Wetter hatten wir fast immer, sind die Farben nicht ein Genuss?

In Südafrika, wo wir die Landschaften von Beginn an als so vielfältig, so wunderschön, und so abwechslungsreich erleben, just in solchen Umgebungen an der frischen Luft bei Sonnenschein und gemäßigten Temperaturen arbeiten zu dürfen, ist ein großer Segen! Mit Blick auf Sir Lowry’s Pass und umgebende Bergkette, oder mit Aussicht auf den Atlantik und Gordon’s Bay, auf dem Farmgelände aus Weiden, Wiesen, Baumbestand, Gärten, waren wir umgeben von zahlreichen wild lebenden Pfauen, Perlhühnern, Wildgänsen, Nutztieren wie Ziegen, vier Eseln, zahlreichen Hühnern, und fünf Schweinen, und acht von den vier Besitzern und allen Bewohnern gleichermaßen geliebten Hunden: Buck, Buster, Badger, Ruben, Vera, Blue, Zoe, Bart, natürlich alle mit individueller Persönlichkeit.

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Blick Richtung Bergkette und Sir Lowry’s Pass, Stellenbosch liegt etwas nordwestlich, aber Wein ist hier auch angesagt, auf dem Nachbar-Gut!

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Und die Aussicht auf Gordon’s Bay…

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Eselkutsche und im Hintergrund Claudia auf dem Weg ins Farm-Büro, und Landrover gab’s zu Carsten’s Freude auch!

Vorbehaltlos für vier Wochen in die funktionierende, gewissermaßen sehr heterogene kleine Gemeinschaft einer nach Autonomie strebenden Farm geduldig, tolerant, sicher, gastfreundlich und herzlich als für die betreffende Tätigkeit ungelernte und unqualifizierte Helfer aufgenommen zu werden, ist ebenso ein Segen: Bei den zehn permanent auf der Farm lebenden Menschen reichte die Alterspanne von einem Jahr bis 92 Jahre, waren schwarz und weiß vertreten, verschiedene Kulturen und Hintergründe, Männlein und Weiblein, Freiwillige wie wir/Angestellte/Selbständige/Eigner, Familie/Singles/Pärchen.

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Twinkles, Annie, und der neugierige Fred, Septic versteckt sich hinter Claudia!

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Einmal Schweinewiese übungshalber durchpflügen bitte, ob Phumulani’s Kult-Ruf ‘Walk on, Septic!’, nun dem Esel oder dem Eselführer galt, war nicht ganz klar, jeder durfte mal (siehe unten), Phumulani hat uns, wie so oft, den schwersten Teil abgenommen…

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Wir haben mit Manager Ryan und Kollege Phumulani nicht nur Gärten umgegraben und mit Kompost versehen, im großen Stil Unkraut gejätet und ausgerissen, Gemüse gesät, gepflanzt, und geerntet, Hühner und Schweine gefüttert, Eier gesammelt und zum Verkauf vorbereitet, Hühner- und Schweineställe samt Bewohnern versetzt, Elektro-Zäune gespannt, die vier Esel Annie, Twinkels, Fred und Septic gepflegt (letzterer war mal in die Jauchegrube = septic tank gefallen) und mit ihnen gepflügt,  Mist gefahren, Schweine, Ziegen, Gänse und Perlhühner geschlachtet, gerupft/gehäutet/enthaart und ausgenommen (hier hat Carsten die Grenze gezogen, das wurde wie selbstverständlich akzeptiert), sondern wegen der auf der Farm angestrebten Autonomie und der dazugehörigen Haltung des Selbermachens auch gemauert, gezimmert, geklempnert, repariert und angefertigt, mal im kleinen mal im großen Stil, meist, aber nicht immer, als Assistenten, ganz im Sinne des McGuyver-Typs, der Manager Ryan nun mal ist, ein solcher Ressourcen-Reichtum inspiriert einerseits sehr, andererseits ist manchmal fraglich ob sich Aufwand und Ertrag immer in einem gesunden Verhältnis zueinander befinden, aber das war ja nicht unsere Entscheidung.

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Faxen machen muss auch mal sein (oben), besonders angesichts einer neu zu erlernenden Tätigkeit ist dann aber auch wieder volle Konzentration angesagt (unten), man beachte den Harry-Potter-Schmiß, das war bei einer vorangegangenen Aufgabe nochmal gut gegangen…

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Auch beim Häuten von Ziegen ist Konzentration gefragt, soll doch das Fell anderweitig genutzt und auch das Fleisch nicht verletzt werden! Was wir nicht alles gelernt haben…

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Links: Claudia auf der Suche nach dem besten Wifi-Signal, dabei gut bewacht! Rechts oben: 3-Euro-Papier-Sonnenhut made in China, gekauft in Santiago de Chile, leider beim Hinfliegen im Schweinekoben endgültig verdreckt… Rechts unten: Die hatten es nach Bahia Bustamante und Sans Souci Farm (hier noch mehr Lifevoyagers-Fotos auf deren Facebook-Seite) dann auch endgültig hinter sich!

Die Arbeit war für uns Städter, nun auf dem Land, Schreibtischtäter, nun in der Landwirtschaft, beide Mid-Lifer, eben keine zwanzig und auch keine dreißig mehr…, oft körperlich sehr anstrengend, andererseits nichts was man nicht mit ausreichend KiD-Übungen wieder hinbekommen hätte, allerdings waren auch dieses Mal, ähnlich wie in Patagonien, die Chancen sich zu verletzen eher so als gäbe es eine umgekehrte Regel: Es ist sicherzustellen, dass jeder Workaway-Jobber zu jeder Zeit von mindestens zwei, besser noch drei, signifikanten Arbeitssicherheits-Risiken umgeben ist! Da musste man schon gut aufpassen… Allerdings waren wir mit guter Arbeitskleidung, Gummistiefeln, und auch Walky-Talkies ausgestattet, letzteres sehr zweckmäßig auf dem großen Farmgelände, auch für den nie eingetretenen Notfall, aber quasi auch ein Kindheitstraum: „Claudia for Ryan, Claudia for Ryan, are you receiving? Yes, Claudia, Ryan here, you can send for me!“

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Junge Hühnchen bei der Aufzucht zu Verzehrszwecken, nicht satt zu kriegen!

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Bei alldem kamen uns die Geduld, die Nachsichtigkeit und der Humor sowohl von Ryan als auch von Phumulani sehr entgegen, und der Rhythmus von 4 x 8 Stunden Arbeit minus 30 Min. Teepause plus 1 Stunde Mittagspause, und anschließend 3 herrlichen freien Tagen, tat ein übriges. Da die Mittagspause nicht reichte um zu kochen, und auch gerne noch für 10 Minuten Blitz-Erholungs-Schlaf genutzt wurde, war die Strategie abends das Mittagessen direkt für zwei Tage vorzukochen (war auch wärmer nahe des Gas-Herds ;-)), und mittags kalt zu esssen, das geht mit Nudelgerichten die dann zu Nudelsalat werden, mit Cremesuppen, die oftmals kalt noch ganz andere Aromen entwickeln, und mit Frittata aus vielen Eiern mit Gemüse und Käse.

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Koriander, Spinat, Mangold, und noch sehr kleine, von uns, Volunteer Alexandra aus der Schweiz, und Phumulani  in unserer ersten Woche gepflanzte Grünkohlpflänzchen, leider haben wir es versäumt die beiden bereits erntefähigen Gärten zu fotografieren, Teile unserer Ernte siehe unten, yummy!

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Grün von der roten Beete, wurde alles mitverarbeitet, zusammen mit mildem Chakalaka aus der Dose und glutenfreien Nudeln, wiederum yummy!

Wir haben echte südafrikanische Gastfreundschaft auch vom Eigner erlebt, der nicht nur klaglos mit uns unsere Lebensmittel eingekauft hat und uns schließlich sogar mit seiner Kreditkarte und seinem Auto alleine zum Shopping losziehen lies, sondern uns auch mehrmals zum Abendessen und einmal sogar zum Frühstück auswärts eingeladen hat, letzteres mit atemberaubender Aussichtsfahrt an der Küste um das Kogelberg Nature Reserve herum, was für ein Goody, und schließlich ein Abschieds-Braai (Barbecue) mit allen Farm-Bewohnern für uns veranstaltet hat, das würde er natürlich weit von sich weisen dass das ‚für uns‘ war, denn gemeinsame Braais finden hier ja alle Nase lang statt… ;-)).

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In der Unterkunft, die wir für uns alleine hatten, gab es saubere, kuschelige Bettwäsche und Bettzeug, genügend saubere Handtücher, eine hervorragend mit Utensilien ausgestattete Küche, fließend heißes Wasser in Küche und Bad, alle Böden waren gefliest und damit leicht zu reinigen, wir durften des Eigners gute Miele-Waschmaschine nutzen, zum Kochen durften wir auf Eier und Gartengemüse von der Farm ohne Einschränkung zurückgreifen, die Frische z.B. einer selbst geernteten rote Beete Knolle mit Blattgrün ist nicht zu überbieten, nun sind wir verdorben für jedes Supermarktgemüse…

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Oben: Unsere letzte Unterkunft vor der Farm bei der lieben Linda in Somerset West, und unten der Kontrast dazu auf der Farm… (ok, nicht ganz fair der Vergleich ;-)):

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Was schwierig war an diesem Workaway-Aufenthalt, hatte dennoch wiederum mit der Unterkunft zu tun: Im Winter Südafrikas wird es abends/nachts/morgens bis zu 5°C kalt, und das bedeutete in unserer überwiegend nicht isolierten Unterkunft mit Bitumen-Wellplatten-Dach, z.T. nicht vollständig schliessbaren Fenstern, mit winzigem Holz-Koch-Ofen im Wohnraum, der weder größen- noch funktionstechnisch geeignet war den Raum auch nur annähernd zu heizen, dass man sich abends wiederum nicht dort aufhalten, sondern vielmehr sehr früh ins Bett gehen, und morgens das Frühstück dick verpackt mit sichtbarem Atem einnehmen musste, das Schlafzimmer war leicht isoliert und hatte eine kleine, schwache Heizung an der Wand, ohne die wär’s auch quasi nicht gegangen… So wie man dann kurz vor acht Uhr aus der Tür trat, immer noch wohlverpackt, wurde es mit der steigenden Sonne schnell zwischen 24°C und 27°C warm und wir konnten Schicht für Schicht von uns werfen, auch mit zunehmender Arbeit ;-)).

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Wohnzimmer mit Blick in die Küche, man beachte das Schlangenposter rechts an der Wand, ‘Snakes of Southern Africa’…, und den winzigen Holzfeuer-Herd mit noch viel winzigerem Feuer-Fach, zum Heizen nicht geeignet…

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Nachts war die Geräuschkulisse durch den Hahn direkt neben unserer Unterkunft mit Weckruf ‚frühestens‘ um Mitternacht, wenn man  Pech hatte mit Schlummerfunktion und Weckruf alle zwei Stunden bis morgens, durch die Pfaue und ihre gelegentlichen Schreie, steppende Pfaue auf dem Wellplatten-Dach, durch die Esel ein- bis zweimal die Woche im direkt anschliessenden Stall, und durch den Mobilfunkturm auf dem Gelände mit leider unregelmäßigem Gesumme und Gebrumme, da halfen dann irgendwann nur noch die Ohrenstöpsel, denn guter Schlaf muß bei harter Arbeit einfach sein. Im Wohnraum gab es ein breiteres Einzelbett, dort zu schlafen war zu kalt, also schliefen wir in den Stock-Einzelbetten im Schlafzimmer. Kälte und nächtliche Geräusche waren also das Schwierigste, mit dem permanenten und erstaunlich vielfältigen Dreck auf so einer Farm können wir auf Dauer nicht gut, kamen aber klar. Dennoch sind Kost und Logis unglaublich viel wert, und vermutlich gilt dass jeder Bewohner allein des Townships, wenn man es überhaupt so nennen kann, in Sir Lowry’s Pass Village seine zusammengestückelte Wellblechhütte, mit Lehmboden, ohne auch nur fließendes kaltes Wasser, mit was für Heizmöglichkeiten auch immer, gern mit unserer Unterkunft getauscht hätte, das stimmte uns wiederum demütig…

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Winziger abendlicher Küchenbesuch auf dem Abtropf-Regal, wird schon rauskommen wie er reingekommen ist…

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Die einzige Schlange der wir in freier Wildbahn bewußt persönlich begegnet sind war ein harmloser winziger Schneckenfresser, puh…

Dass Ryan ein Schlangenfan ist, diese auch für die umliegenden Farmen professionell einfängt und somit vor der sicheren Tötung wegen a) Angst vor tödlichen Bissen und b) weitverbreiteten und tief verwurzelten Aberglaubens im Bezug auf Schlangen rettet, im Winter im Farm-Büro in dafür vorgesehenen Kisten mit Licht und Luft überwintert (sie fressen oft bis zu monatelang nichts), wussten wir auch nicht vorab, so überwinterte im Farm-Büro während unseres Aufenthalts eine natürlich giftige Cobra-Sorte, von uns liebevoll Otto getauft, auch eine Telcon mit der Personalabteilung von AXA vom Farmbüro aus wegen Nähe zum Wifi-Router brachte Otto nicht aus der Ruhe. Ryan fing noch zwei weitere Schlangen, zwar nicht auf dem Farmgelände, eine giftig, eine ungiftig, allerdings gab es auf dem Farmgelände eine Puff-Adder (sehr giftig), und eine nicht identifizierte größere dunkle Schlange, die Ryan aber entkommen ist, just auf den Wiesen auf denen wir mehrmals Unkraut kurz vor Saatenbildung geköpft bzw. ausgerissen haben… Laut Ryan braucht es allerdings massive Störung der Tiere bevor diese angreifen, sie nehmen einen herannahenden Menschen lange vorher war und machen sich eher aus dem Staub, daher ist es auch eher selten dass man versehentlich drauftritt, allerdings war es wichtig sich dieses Risikos permanent bewusst zu sein.

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Farewell Braai in bester Gesellschaft während die Sonne untergeht… seufz… was will man mehr!

Fazit: Was für eine spannende Art völlig andere Lebenskonzepte hochinteressanter Menschen und deren Habitat kennenzulernen, und trotz aller Ungewohntheiten und Unbequemlichkeiten wertvolle Zeit mit diesen Menschen zu verbringen, von ihnen zu lernen, sich mit ihnen auszutauschen und gemeinsam zu lachen, selten haben wir eine humorvollere, gelassenere  Gemeinschaft erlebt, wir danken Euch allen, Ihr Lieben von Sans Souci Farm: Alexandra, Gugu, Sage, Akira, Michelle, Ryan, Deon, Charlie, Caroline, Bruce, and Phumulani!

C & C, Lifevoyagers

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