“Alltag” in Buenos Aires

„Alltag” in Buenos Aires: Bis zu 38 Grad im Schatten jetzt im Sommer, also alles mal viiiiiel langsamer als in Zentraleuropa im Allgemeinen und bei uns beiden Speedies im Besonderen, auf dem ‚Bürgersteig’, Schlagloch und Hundeschiete, Slalomlauf auch unter den von oben herabtropfenden Klimaanlagen her, einige kleine Strassenhändler mit allem Möglichen, Einkauf von Lebensmitteln viel geringerer Auswahl und viel geringerer Qualität, wie erwartet, der sich überhaupt nur wegen des Dolar Blue, des inoffiziellen Umrechnungskurses, bezahlen lässt, nun tägliches Kochen mit ungewohntem Gerät, hier wieder Wasser schleppen in rauhen Mengen mangels Trinkwasser aus dem Hahn, unfreiwilliger und daher eingeschränkter Nespresso-Kaffeekonsum wegen der vorhandenen Ausstattung, selbst der alte Luxus-Carsten ist dagegen ;-)), ein Bild für die Götter: Wir zwei unwilligen und eher entrüsteten Käufer im überkandidelten Nespresso-Store, das ist denen bestimmt noch nie vorgekommen, immerhin ist recycling der Kapseln möglich… Alltag in Buenos Aires: Wir lieben es, daher wurde unserem spontanen Antrag noch einen Monat länger als geplant zu bleiben von unseren Gastgebern bereits stattgegeben!

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Ja, hier fährt die Linie 44 ab! Such’ die Nummer… ;-)):

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Geburtstag Claudia: Wir machen uns auf zu einem der sehr seltenen Öko-Märkte, El Galpon, ca. 7 km entfernt von uns, natürlich innerhalb dieser riesigen Stadt. Also vom Frühstück gestärkt zu Fuß zwei Blöcke weit zur nächsten U-Bahn, leider falscher Bahnsteig, die Bahnen fahren hier links während die Autos rechts fahren, wir erinnerten das von letzten März nicht, erstes Ticket vergeigt, Bahnsteig unterirdisch wechseln ist nicht, raus, rauf, rüber, runter, rein, falsche Bahn, da diese Haltestelle zwei Bahnen bedient, die zweite Haltestelle gleichen Namens aber einen Block weiter liegt… zweites Ticket vergeigt, geht alles von unseren aufgeladenen SUBE-Tickets runter… Weiter zur nächsten Haltestelle, die richtige U-Bahn, leider geschlossen wegen Ausstattung mit klimatisierten Wagons. Kein Problem, wir haben ja den Busplan für die über 300 Buslinien dieser Stadt dabei. Welche der Strassen der Schachbrett-Anordnung ist in unsere Zielrichtung befahrbar? 50% Chance, wir wählen die falsche, fragen nach bei einer netten Dame an der Bushaltestelle, nein, die Nr. 71 fährt zwei Blöcke weiter ab, alles klar. Die 71 fährt uns vor der Nase weg, dafür sind wir jetzt sicher richtig mit der nächsten 71! Angenehme Fahrt, klimatisiert mit Aussicht, bis zum Öko-Markt, wer sagt’s denn? Wie lange es gedauert hat ist, muss, in dieser Stadt wurscht sein…

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Öko-Markt El Galpon, immer Mittwochs und Samstags von 9 bis 17 Uhr, neben der Estacion Chacarita gelegen, ca. 500 m von der Strasse entfernt vorbei an Hunden und den neuen und alten Gleisanlagen des Bahnhofs mit mehr oder weniger rottenden Wagons, hierzulande lässt man ja gerne alles stehn’ und liegen wo es ausser Dienst genommen wurde, wenn vorne an der mehr oder weniger befestigten ‚Zufahrt’ nicht die Polizeistation wäre würden wir gezögert haben, sehen aber auch gepflegte Mittelklassewagen dort parken, offenbar Kundschaft die es sich leisten kann. Eine alte Lagerhalle, eine selbstgebaute Parilla (Grill-Imbiss) davor, ein idyllisches, schattiges kleines Gärtchen mit improvisierten Café-Tischen daneben, der Solar-Kocher brodelt schon, und dann der Markt innen: Wie in Bio-Deutschland vor 30 Jahren!! Die meinen das aber wirklich ernst hier: Plastik ist verpönt, Obst gibt es gar keins, das erbärmlich aussehende Gemüse ist von den geduldigen Käufern in langen Schlangen ca. nach 3 Stunden ausverkauft, Brot das diesen Namen verdient gibt’s hier auch nicht, dafür Slipeinlagen zum Waschen, wie gesagt, die meinen das ernst! Noch rote Beete, Zucchini, Zapallitos (ultrajung geerntete Kürbisart) ergattert, Möhren waren aus, das schrecklichste Brot ever erworben wie sich später herausstellt, der Ziegenkäse ist in Gold aufzuwiegen und wird nicht gekauft. Bei (Bio-?)Kaffee und Bio-Kuchen im angenehm kühlen Garten beobachten wir den jungen lokalen ganzheitlichen Physiotherapeuten bei seiner Arbeit, die Menschen,  unterschiedliche Altersklassen, schildern ihm unter dem Baum ihre Beschwerden und er behandelt sie im Stehen, so geht’s auch!

Zappallitos:

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Ein ähnliches kleines Improvisations-Unternehmen fällt uns später an der Glorieta in Belgrano auf, wo es heute Milonga gibt, nachzulesen täglich unter www.hoy-milonga.com, von unserer Bank mit Pole-Position-Blick auf die Tanzfläche: Mit von diesem Pavillon geklauten Strom, den sich die Unternehmer und die Tangueros heute nachmittag teilen, und Wasser von sonstwoher, waschen ein paar junge Männer mit Hingabe und Liebe zum Detail Autos und haben reichlich Kundschaft, making do, eben, selbst Carsten war sehr zufrieden mit der Leistung, nicht dass er Kunde gewesen wäre…. Tangomusik erklingt, wir sind natürlich zu früh, kommen daher aber in den Genuss dem Unterricht zweier Paare zuzusehen, auf Mitmachen haben wir wegen der geringen Teilnehmerzahl beide keine Lust, die Aussicht vom höhergelegen Park auf diesen Teil der Stadt ist toll und kontrastreich, grüne Papageien fliegen umher, es geht uns blendend! Wie schön dass wir vor niemandem rechtfertigen müssen dass wir den Abend nach dem ereignisreichen Tag in unserer Wohnungsoase verbringen und nicht auf die Rolle gehen, was eben einfach nicht unser Ding ist!

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